Presseaussendung zum EuGH-Urteil zum Begriff Sojamilch

Bündnis „FairFerkel“ zu Sojamilch-Namensstreit: Irreführung besteht ganz woanders!

Was KonsumentInnen betreffend Produktkennzeichnung von Milch, Fleisch und Co. wirklich erwarten

Die VertreterInnen der Intensivtierhaltung zeigen sich erfreut über den Entscheid des Europäischen Gerichtshofs in Bezug auf die Bezeichnung von Sojamilch und Co., die künftig nicht mehr unter der Bezeichnung Käse oder Milch verkauft werden dürfen. Ihrer Meinung nach könnten sich KonsumentInnen nun endlich sicher sein, dass es sich bei der Bezeichnung Milch auch wirklich um tierisches Eutersekret handle. Ob es hier wirklich jemals eine Verwechslungsgefahr gab, scheint fraglich. Aus Tierschutzsicht relevant ist vielmehr die Frage, wer VerbraucherInnen vor falschen Assoziationen schützt, wenn sie grüne Wiesen & Weiden, traditionelle Bauernhöfe und Berglandschaften auf Milch-, Fleisch- und Wurstverpackungen sowie in der Werbung sehen. Wiener Tierschutzombudsfrau Eva Persy dazu:

„Im Gegensatz zum Sojamilch-Namensstreit sind idyllische Motive einer Bilderbuch-Landwirtschaft wirklich irreführend, da die Realität der Tierhaltung heutzutage ganz anders aussieht als in der Werbung suggeriert. So werden in Österreich zum Beispiel immer noch 2,7 Millionen Ferkel ohne Schmerzausschaltung kastriert, was für die Tiere immenses Leid bedeutet.“

Idyllische Bild-/Wortwelt suggeriert nicht vorhandenes Tierwohl

Auf vielen Waren betreffend Milch, Fleisch und Co sind Begriffe wie „Alpen“, „Land“ oder „Bauer“ Bestandteil des Marken- und Produktnamens. Im Rahmen der von Werbeprofis gewählten Bildsprache sollen entsprechende Abbildungen den kleinbäuerlichen Dorfcharakter untermauern. Dabei wird von Seiten der betroffenen Firmen gerne argumentiert, dass die aus Tierschutzsicht irreführenden Bilder oder Namen zum Firmenlogo gehören würden. Anders als in der Werbung suggeriert, stammen v.a. Fleisch- und Wurstprodukte aber fast immer aus Intensivtierhaltungen. Die so gehaltenen Tiere sind in der Regel in ihrem Platzangebot stark eingeschränkt, haben keinen Auslauf und werden häufig unter Antibiotikaeinsatz in möglichst kurzer Zeit zur Schlachtreife gebracht. Besonders großes Leid müssen Ferkel erdulden:

In Österreich werden jährlich 2,7 Millionen männliche Schweine ohne Schmerzausschaltung kastriert.

Das Bündnis „FairFerkel“, zu dem sich UNITED CREATURES, VIER PFOTEN, die WIENER TIERSCHUTZOMBUDSSTELLE und der Verband „pro tier“ zusammengeschlossen haben, fordert ein rasches Ende der Kastration von Ferkeln ohne jegliche Betäubung: www.fairferkel.at

Tierschutz-Kennzeichnung statt irreführender Abbildungen

Vielen KonsumentInnen in Wien und ganz Österreich liegt das Wohl der Tiere sehr am Herzen. Statt irreführender Abbildungen bzw Marken-/Produktnamen wollen sie Informationen, ob sie tatsächlich Fleisch und andere landwirtschaftliche Produkte aus tiergerechter Erzeugung kaufen. Auch warnen ExpertInnen, dass die idyllische Bild-und Wortwelt herkömmlicher Fleisch- und Wurstangebote die Entwicklung eines Marktsegments mit tierschutzfreundlicheren Erzeugnissen stark erschwere. Michael Hartl von UNITED CREATURES fordert:

„Die Eier-Kennzeichnung hat gezeigt, dass sich KonsumentInnen bei der Produktwahl immer mehr für eine tiergerechtere Haltung entscheiden. Auch bei Fleisch- und Wurstprodukten sollten daher Herkunft und Haltungsform auf den Verpackungen und in den Speisekarten klar gekennzeichnet werden!“

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

Bündnis FairFerkel

Informationen zu den Organisationen des „Fair Ferkel“ Bündnisses: